Das kleine 1 x 1 der Fastnacht: Der Narr

„Willkommen Majestät – ich bin der Narr! Ihr sucht derzeit nach neuen Denkern? Ich aber sage Euch: Hört endlich mal den Anderen zu! Ist Eure Majestät nun bereit in den Spiegel zu schauen und den Egoismus abzulegen??? Das erfreut uns!“

Der Hofnarr bewegte sich in zwei Welten, deren Grenze sehr verschwommen waren: Zwischen Narrheit und Weisheit. Der Narr hielt seinen Herrschaften einen Spiegel vor und stellte die sieben Todsünden dar: Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier, Esssucht und Wollust. In dieser Figur, die zur Erheiterung beitrug, die aber auch an den herrschaftlichen Verhältnissen offen Kritik üben durfte, haben die Narrenreden und Narrengerichte ihren Ursprung.

Die Narretei wäre jedoch nie von der Kirche akzeptiert worden ohne den Glauben an die Bekehrbarkeit des Narren: die Notwendigkeit der Umkehr am Aschermittwoch, der Rückkehr aus dem „Narrenschiff“ ins Kirchenschiff. Das „Narrenschiff“ (Sebastian Brant, * 1457), das durch ein Meer menschlicher Dummheiten und Gottlosigkeiten fährt und dem Untergang geweiht ist, bildet das Gegenmodell zum „Kirchenschiff“ mit dem Steuermann Christus und den Gläubigen als Passagieren auf dem Weg ins Paradies.

Im Mittelalter wurden jedoch auch geistig kranke oder körperlich verkrüppelte Menschen „Narren“ genannt. Im klassischen Sinne stellt der Narr für den Menschen eine Warnfigur dar. Die Forschung vermutet, dass in dem Wort „Narr“ die gleiche Wurzel stecken könnte wie in dem Wort „Narbe“.

Im Gegensatz zu dem Zepter des Königs hielt der Narr die Keule in der Hand. In Illustrationen der Bibel (Psalm 52) wird der Narr oft mit einem Brot in der Hand dargestellt. Kommt etwa daher die Redewendung „… dumm wie ein Brot …“??

Im 14. Jahrhundert wurde die Keule durch eine Marotte (ein Holzstab, auf dessen Knauf der Kopf des Narren geschnitzt war) ersetzt. Später wurde die Marotte zu einem Spiegel. Damit wurde die Selbstverliebtheit des Narren in sich selbst dargestellt. Zur gleichen Zeit gewann auch die Narrenkappe (auch heute oft übernommen in Form eines Schiffes – siehe oben „Narrenschiff“ – zu sehen) als Gegensatz zur Königskrone, an Bedeutung.

Die Kleidung des Narren war im Mittelalter oft mit der „Schandfarbe“ GELB (Kennzeichnungsfarbe der Huren) und – als Spiegel dazu – der hoheitlichen Farbe ROT, versehen. Der Narr durfte quasi jede Schicht spiegeln und spielen. Die häufig an das Häs (= Kleidung) angebrachten „hohlen“ Glöckchen kennzeichneten ihn als Menschen ohne Liebe. Zacken oder Fransen an der Kleidung bezeugen seine Unstetigkeit .

Till Eulenspiegel war vermutlich einer der bekanntesten Narren der Welt. Er ist ein Sinnbild der Schadenfreude und des Spottes. Er soll um 1300 in Kneitlingen am Elm geboren und 1350 in Mölln gestorben sein, wo sich auch ein Gedenkstein befindet. Exakte Nachweise für seine tatsächliche Existenz gibt es aber nicht.