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„… denn Narrheit währt nur kurz!“

Sechs Tage lang haben die Jockel nun fast ununterbrochen gefeiert und stellten die Welt auf den Kopf.  Aber am Aschermittwoch verlässt ein Narr das Narrenschiff und kehrt reumütig zurück ins Kirchenschiff. Heute muss niemand mehr an den Fastnachtstagen vor dem Aschermittwoch die verderblichen Lebensmittel verbrauchen. Niemand, der während der Fastenzeit ein Steak isst, muss das weltliche Strafgericht fürchten, das ihn seinen Kopf kosten kann. Unser Leben könnte ganzjährig ein einziges Fest sein.


Sechs Tage lang war unsere Welt anders – lustiger für die Freunde, zu laut für die Feinde der Fastnacht. Rollen wurden gewechselt: Männer wurden zu Frauen und unser Bürgermeister sogar zum Meeresgott Neptun. Masken – die wir im Alltag oft unbewusst tragen – wurden sich vors Gesicht gesetzt. Aber zum Schluss noch ein paar tröstende Worte für jene, die während der Fastnacht ihre Köpfe am liebsten unter den Kopfkissen vergraben würden. Sie stammen aus der Bibel: „Ein jegliches hat seine Zeit“ heißt es: „Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit, Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit…“. Und so trugen wir schweren Herzens unseren Jockel (in Form einer Strohpuppe) wieder hinunter zum Federbach, um ihn in den Fluten des Federbachs anzubrennen und dem Federbachgeist wieder zurückzugeben.

„Alle flennen wenn die Puppen brennen“

(Altes fastnachtliches Sprichwort – Verfasser unbekannt)

Die Narren sind schon ein seltsames Volk: Nachdem sie erst tagelang gefeiert haben, fangen sie am Fastnachtsdienstag plötzlich auch noch an, eine Strohpuppe aus dem Dorf zu tragen und zu verbrennen. Für Außenstehende mag das vollends verrückt wirken. Tatsächlich ist dieses Ritual aber ein uralter Brauch, der bis nach Griechenland verbreitet ist und mit dem die Fastnacht beendet wird. Die Strohpuppe dient als Sündenbock für die Fastnacht und das ungezügelte Leben – sie wird angebrannt und mit ihr gehen unsere Sünden, die wir in dieser Zeit begannen haben, in Flammen auf. Erst jetzt ist es rum, jetzt ist alles Schall und Rauch. Und was bleibt übrig? Asche. Asche ist das Zeichen für die Vergänglichkeit und wird als Zeichen der Demut und Umkehr benutzt. Denn die Narreteien und Feiern der vergangenen Tage sind vorbei, der Aschermittwoch und die Fastenzeit stehen vor der Tür. Während wir Jockel also am Dienstag Abend mit tränenden Augen am Badplatz standen und trauerten, brannte der Strohjockel langsam vor sich hin. Und am Ende blieb nur Asche. 


In diesem Sinne: Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht! Und die Fastnachts-Ticker auf unzähligen Internet-Seiten laufen und zählen schon wieder die Tage bis zum nächsten 6. Januar. Dann stehen wir Etjer Narren wieder erwartungsvoll am Badplatz und holen unseren Jockel aus den Fluten …