Der Ursprung der Fastnacht

Man stelle sich jene Zeiten vor, als die 40tägige Fastenperiode noch ernst, sehr ernst genommen, überwacht und Zuwiderhandeln hart bestraft wurde. Noch 1536 wurde in Zürich ein junger Mann verbrannt, weil er in der Fastenzeit Fleisch gegessen hatte. Also: 40 Tage ohne Fleisch, Geflügel, Eier, Milch, Schmalz, Fett, Butter, Käse, 40 Tage ohne jedes Amüsement, 40 Tage auch der verordneten sexuellen Enthaltsamkeit. Die Menschen sollten mehr beten und dafür weniger essen. Die Speisekammem wurden ratzeputz geleert, es wurde gegessen und getrunken, gefressen und gesoffen; man wollte noch einmal seinen Spaß haben, sang und tanzte, trieb derbe Scherze. Aus diesem Grund kam wohl unter anderem im 13. Jahrhundert der Brauch auf, mit viel Schmalz und Eiern ein Fettgebäck (Fastnachtsküchle/Scherpen), zu backen. Bald schon kamen Musik und Tanz hinzu. Hierbei soll es oft recht freizügig zugegangen sein. Verständlich, denn zur Fastenzeit wurde die Abkehr vom Fleisch in JEDER Hinsicht gefordert: Nämlich auch der Verzicht auf fleischliche Genüsse in Form sexueller Entsagung. Ihren Ursprung hat die schwäbisch-alemannische Fastnacht also in Festen, die dazu dienten, verderbliche Lebensmittel vor Beginn der Fastenzeit aufzubrauchen. Derartige Veranstaltungen sind für ganz Mitteleuropa spätestens im 13. Jahrhundert nachgewiesen.

Während die Fastenzeit eine Zeit der Vorbereitung auf Leiden, Sterben und Auferstehung Christi ist, spielt die Fastnacht vor dem Aschermittwoch sprichwörtlich verrückt. Die Fastnacht ist spielerisch die Gegenzeit zur Fastenzeit. Die Menschen erfuhren im Spiel an sich selbst, wie närrisch die Rolle des Gottesleugners und der Narren ist, indem sie tatsächlich in die Maske der Gottesfeinde schlüpft, z. B. als Teufel oder Hexe.

Im alten Rom wurde früher das „Saturnalienfest“ gefeiert, welches als weiterer Ursprung für unser heutigen Fastnachtsbrauch steht. Für einen Tag waren die Herren und ihre Sklaven „gleichgestellt“. Es kam sogar vor, dass die vornehmen Herren ihre Sklaven bedient haben. So entstanden die „verkehrte Welt“ der Narren: Arme waren plötzlich Reich, aus Männern wurden Frauen (Hexen) und aus Frauen wurden Männer (Teufel).